alincucu.de | Weshalb besteht kein Widerspruch zwischen der Existenz Gottes und der Existenz von Übel?
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Weshalb besteht kein Widerspruch zwischen der Existenz Gottes und der Existenz von Übel?

Weshalb besteht kein Widerspruch zwischen der Existenz Gottes und der Existenz von Übel?

Es besteht kein Widerspruch zwischen der Existenz Gottes und der Existenz von Übel, weil zwischen den Propositionen

(1) Gott ist allmächtig

(2) Gott ist vollkommen gut

(3) Übel existiert

kein logischer Widerspruch gefunden werden kann.

Erstens ist diese Triade von Propositionen (im Folgenden A genannt) nicht explizit widersprüchlich. Das wäre nur dann der Fall, wenn eine der drei Behauptungen die direkte Verneinung einer der beiden anderen wäre. Dies trifft jedoch nicht zu

Zweitens ist A nicht formal widersprüchlich. Dazu müsste durch Anwendung der Regeln der Logik aus zwei der drei Behauptungen die direkte Verneinung der dritten ableitbar sein. Auch dies trifft nicht zu.

Drittens ist A auch nicht implizit widersprüchlich. Hierzu müsste ein notwendig wahrer Satz (oder mehrere notwendig wahre Sätze) gefunden werden, die in Addition zu A eine direkte Verneinung einer der drei Sätze von A ergibt. Das einzige „Paket“ hierfür wäre

(4) Ein allmächtiges und vollkommen gutes Wesen kann und muss jeden Zustand von Übel beiseitigen.

(5) Ein allmächtiges Wesen kann alles logisch Mögliche tun.

Allerdings ist (4) nicht notwendig wahr. Denn falls es Zustände von Gutem gibt, die ohne Inkaufnahme von etwas Üblem nicht (logisch) möglich wären (und das erreichte Gute das Üble überwiegt) dann gibt es Situationen, in denen selbst ein allmächtiges und vollkommen gutes Wesen Übles nicht verhindern kann. Dafür können viele Beispiele gefunden werden. Man denke etwa an die Geschwister Scholl, deren Heldentod unzählige Menschen zum Einstehen für Humanität und freiheitliche Grundrechte inspiriert hat. Ohne ihren tragischen Tod hätten sie diesen Einfluss niemals gehabt.

Solange also kein Satz oder Sätze gefunden werden kann/können, die zusammen mit A einen impliziten Widerspruch ergeben, muss man annehmen, dass es keinen Widerspruch zwischen „Gott existiert“ und „Es gibt Übel“ gibt.

Kann man sogar zeigen, dass A nicht nur nicht widersprüchlich, sondern sogar konsistent ist? Zu diesem Zweck müsste eine Proposition p gefunden werden, die in Verbindung mit der Proposition „Gott ist allmächtig und vollkommen gut“ die Proposition „Übel existiert“ ergibt. Mit anderen Worten: es müsste ein Modell von A konstruiert werden, so dass, wenn das Modell tatsächlich bestehen würde, alle Elemente von A wahr wären. Ein solches Modell könnte folgendermaßen aussehen:

(6) Gott ist vollkommen gut und allmächtig

(7) Gott schafft eine Welt, die Übel enthält und hat einen guten Grund dazu

(8) Übel existiert in der Welt

Damit die Möglichkeit besteht, dass dieses Modell tatsächlich zutreffen kann, muss natürlich gezeigt werden, dass nach (7) Gott wirklich einen guten Grund hat, eine Übel enthaltende Welt zu schaffen.

Ich möchte begründen, warum die Erschaffung von Menschen mit freiem Willen ein solcher Grund ist. Freier Wille bedeutet hier die freie Entscheidung in Bezug auf bestimmte Handlungen, die im Machtbereich der Menschen liegen; frei bedeutet nicht kausal determiniert durch zeitlich vorausgehende Ereignisse oder Naturgesetze. Außerdem bezieht sich die freie Entscheidung im Besonderen auf moralisch bedeutsame Handlungen, also die Wahl zwischen Gut und Böse.

Bei sonst gleichen Bedingungen ist eine Welt, in der es Wesen mit freiem Willen gibt, besser als eine Welt, in der es so etwas nicht gibt. Beispiele dafür finden sich in unserer Alltagswelt: wir empfinden eine Katze, die weglaufen kann, als wertvoller, als einen Stein, der nicht weglaufen kann. Ebenso entscheiden sich immer noch die meisten Ehepaare für Kinder – also Wesen mit eigenem freien Willen –statt ihr Geld und ihre Zukunft in materielle Objekte wie Häuser oder Autos zu stecken, obwohl jene durch ihren freien Willen viel mehr Probleme machen können als diese.

Somit gibt es zumindest diesen einen Grund – die Erschaffung von Menschen mit freiem Willen – für Gott, eine Welt zu schaffen, die Übel enthält.

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